Messverfahren
So misst die Prüfstelle
Der Name ist ein Witz, die Methode nicht. Hier steht, woher jede Zahl kommt, wie gezählt wird und wo die Grenzen liegen.
Der Index in einem Satz
Der Schwanzlastigkeits-Index ist der Anteil der Männer an allen Menschen, nach denen in einem Gebiet Straßen, Wege und Plätze benannt sind – in Prozent. 50 ist im Lot, 100 bedeutet: ausschließlich Männer. Straßen, die nicht nach Menschen heißen („Bahnhofstraße“, „Am Lindenhain“), zählen nicht mit.
Die Quellen
- Straßen: alle benannten Straßen, Wege, Fußwege und Plätze aus OpenStreetMap (Deutschland-Auszug von Geofabrik). © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL.
- Grenzen und Einwohner: Verwaltungsgebiete 1:250 000 mit Einwohnerzahlen (VG250-EW) des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie. © GeoBasis-DE / BKG, dl-de/by-2-0.
- Namensgeber: Wikidata (CC0) – Straßen mit hinterlegtem Namensgeber und dessen Geschlecht; außerdem das OSM-Merkmal
name:etymology:wikidata. - Vornamen: Vornamenlisten aus Wikidata und Häufigkeiten aus offenen Daten der Städte Köln, Bonn und München sowie von Statistik Austria.
- Bundestag: Abgeordnete je Wahlperiode aus Wikidata.
So wird gezählt
- Jeder Name einmal pro Gemeinde. OpenStreetMap zerlegt Straßen in viele Abschnitte. Die Prüfstelle zählt „Goethestraße“ in einer Gemeinde nur einmal, egal wie lang sie ist.
- Zuordnung zur Gemeinde über die amtlichen Grenzen: Wo der Straßenabschnitt liegt, dort wird er gezählt.
- Ist das ein Mensch? Die erste passende Regel gewinnt:
- Handkorrekturen der Prüfstelle,
- der in OpenStreetMap verknüpfte Namensgeber,
- der gleiche Straßenname oder Namensstamm mit bekanntem Namensgeber in Wikidata („Goethe“ → Johann Wolfgang von Goethe),
- das Muster „Vorname-Nachname-Straße“ mit Titeln wie Königin, Pfarrer oder Kaiser,
- häufige Namensstämme, die keine dieser Regeln erkennt, ordnet die Prüfstelle mit Hilfe einer KI ein (Claude); unsichere Fälle bleiben draußen,
- einzelne Vornamen wie in „Luisenstraße“ oder „Wilhelmplatz“ – mit einer Liste von Ausnahmen für Wörter, die auch Pflanzen oder Tiere sind (Rose, Linde, Heide, Wolf …).
- Was keine Regel sicher erkennt, zählt nicht – weder als Mann noch als Frau.
Stand dieser Auswertung: 1.173.312 Straßennamen in allen Gemeinden, davon 192.609 erkennbar nach Menschen benannt (172.318 Männer, 20.291 Frauen). Erkannt über: KI-Einordnung 35,6 %, Vorname-Nachname-Muster 22,6 %, Wikidata (gleicher Name) 19,8 %, OpenStreetMap-Namensgeber 12,4 %, Wikidata (gleicher Stamm) 4,3 %, Titel 3,0 %, Heilige 1,2 %, einzelner Vorname 0,6 %, Handkorrektur 0,4 %.
Grenzen der Methode
- Nachnamen ohne Vornamen sind mehrdeutig. Eine „Schillerstraße“ zählt für Friedrich Schiller – auch wenn ein Ort einmal einen Bürgermeister Schiller hatte. Allerweltsnamen wie „Müller“ oder „Bach“ bleiben draußen.
- OpenStreetMap ist nicht überall gleich vollständig. In Städten fehlt kaum etwas, auf dem Land gelegentlich ein Feldweg.
- Kleine Gemeinden schwanken stark. Ein neuer Straßenname kann den Index um viele Punkte verschieben. Ranglisten und Suchmaschinen sehen deshalb nur Gemeinden mit mindestens 40 gezählten Menschen.
- Heilige zählen mit. Die Peterstraße ehrt Petrus, die Marienstraße Maria – beides sind Menschen, die auf Schildern stehen.
- Geschlecht bezieht sich auf die Angabe in Wikidata bzw. die übliche Zuordnung des Vornamens. Die Datenlage kennt fast nur Männer und Frauen – das ist eine Grenze der Quellen, keine Absicht.
Fehler gefunden?
Die Prüfstelle irrt gelegentlich – sie ist schließlich keine Behörde. Fehlende Frauen, falsch erkannte Männer und vergessene Straßen bitte an nachmessen@schwanzlastig.de – die Prüfstelle misst gern nach. Und wer OpenStreetMap verbessern will: Das Merkmal name:etymology:wikidata an einer Straße hilft allen.